Testspiele und deren finaler Skore dürfen nicht überbewertet werden. Aber Trainingspartien sind dennoch ein guter Indikator, wo die Mannschaft steht und was von ihr, wenn es um Meisterschaftspunkte geht, zu erwarten ist. Das diesjährige Championat beginnt erst Mitte Oktober – das ist vor allem für die Starwings gut, denn derzeit ist die Equipe weit davon entfernt, in der höchsten Spielklasse etwelche Ansprüche anmelden zu können.

In der letzten Saison 2015/16 gewannen die Unterbaselbieter alle drei Duelle gegen Cen­tral Luzern und den BC Winterthur. Die etablierten Starwings, welche ihre 12. Spielzeit in der Nationalliga A in Folge (Rekord für einen Deutschschweizer Klub) in Angriff nehmen, konnten die Hierarchie gegenüber den beiden Deutschschweizer Neulingen souve­rän wahren.

Luzern als Kollektiv

Gestern Abend zeigte sich, dass derzeit Central Luzern «das Mass aller Dinge im deutschsprachigen Raum» ist. Man muss nicht einmal das klare Resultat hervorheben, sondern das zur Verfügung stehende Personal analysieren. Stand heute wird Central «nur» mit zwei ausländischen Profispielern in die neue Saison starten.

Auf der Spielmacher-Posi­tion mit dem Serben Nemanja Kovacevic. Ein erfahrener Mann, der primär nicht Skorer ist, sondern das Spiel lenkt, und was noch viel wichtiger ist, seine Nebenleute derart gut und präzise einsetzt, dass ein jeder leicht punkten kann.

Central-Trainer Da­nijel Central-Trainer Danijel Eric, einst Spieler, Assistenzcoach und Cheftrainer der Star­wings, meinte nach der Partie: «Wir haben als Team gut gespielt und unsere Leistung ge­gen Massagno bestätigt. Die überzeugende Leistung  gegen die Starwings zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Überbewertet werden darf das Testspiel natürlich trotzdem nicht. Es gibt noch viel zu tun.»

Bereits gegen die Tessiner hatten die Innerschweizer mit einem ähnlichen Resultat gewonnen. Dabei agierte Massagno mit vier amerikanischen Profispielern, während die Starwings gestern deren drei US-Profis auf dem Feld hatten. Noch mehr zu denken gibt das Rendemment der Schweizer Spieler.

Bei Luzern gibt es eine Gruppe von sieben Spielern, die allesamt Akzente setzten und punkteten. Teils auch, weil Kovacevic ein kongenialer Aufbauer, Spielmacher und Ballverteiler ist. Im Gegensatz zum letztjährigen Liga-Topskorer Richard Carter aus den USA, der pro Match selber 25 Punkte erzielte, seine Mitspieler aber zu Zuschauern degradierte.

Nur Alexis Herrmann

Beim Gast aus Birsfelden war Spielmacher Chris Jones punktemässig auf der Höhe. Aber er war nicht jener Playmaker, den sich Cheftrainer Roland Pavloski wünscht. Das Mannschaftsspiel brachte er nicht in Gange, wobei es vielleicht nicht an der fehlenden Vista des Amerikaners, sondern an den nicht vorhandenen Fähigkeiten seiner Schweizer Nebenleute liegt.

Ausgenommen ist da Alexis Herrmann, der als einziger Starwings-Spieler zu überzeugen wusste. Die restlichen Akteure waren, um es in den Worten von Trainer Pavloski nach Spielende zu sagen: «Wir waren einfach nur schlecht. Punkt. Fertig.» Dass der Birsfelder «not very amused» war, einen desolaten Auftritt zu kommentieren, ist verständlich.

Bollwerk Rhamel Brown

Man könnte natürlich anführen, dass Teamcaptain Joël Fuchs und der Aargauer Philipp Sager krank ins Spiel gingen. Jones hat eine Fussblessur, die ihn behindert. Und zu den beiden US-Profis Octavius Brown und Darell Vinson meinte Pavloski nur: «Sie waren bemüht». Man könnte auch sagen, dass sie gar viel Mühe hatten.

Wobei Vinson auf einen Antipoden namens Rhamel Brown traf, der unter den Brettern ein veritables «Monster» ist. Der Mann aus New York hatte in der letzten Saison in Israel brilliert und ist ein Verteidigungsspezialist, der blockt, reboundet und seine Gegenspieler «ausradiert.» Und weil die Defense der Unterbaselbieter alles andere als homogen ist, erzielte der Central-Zuzug 18 Zähler, was sonst nicht seinem gewohnten Durchschnitt entspricht.

Man könnte die Zahlenspielerei weiter betreiben und anmerken, dass die Schweizer in den Lu­zerner Reihen 46 Zähler erzielten. Bei den Starwings waren es 18 Punkte. Zieht man jene 13 Zähler von Herrmann ab, bleiben noch fünf mickrige Pünktlein. Ob sich diese Differenz in drei Wochen, bis zum Saisonstart also, aufholen lässt, darf bezweifelt werden. Diese Realität negieren zu wollen, wäre Augenwischerei.

Die Starwings werden mehr denn je auf den vierten Ausländer angewiesen sein. Ein Mann, der gestern der Partie als stiller Beobachter beiwohnte. Ein Routinier, der viel Erfahrung und Zentimeter mitbringt. Das wird dringend nötig sein, damit Vinson nicht derart alleine unter den Körben ist und Brown vielleicht seine Rolle doch noch findet.

 

Telegramm

Central Luzern – Starwings 75:52 (40:28)

Ruopigen, Reussbühl. - 75 Zuschauer. - SR: Michaelides, Hjartarson, Sani.

Luzern: Kovacevic (8), Lehmann (11), Plüss (5), Mandic (8), Rhamel Brown (18); Güttinger (9), Stevanovic (5), Tomic (6), Morandi, Wechsler (2), Imgrüth, Domingos.

Starwings: Jones (18), Fuchs (3), Verga, Octavius Brown (9), Vinson (7); Herrmann (13), Sager, Devcic, Grah­ma (2), Thelemarque.

Bemerkungen: Starwings ohne Hauri (krank) sowie Carrara und Pavlovic (beide Schule).