Kairavicius ist in der obersten Liga angekommen

Obwohl Martynas Kairavicius (29) sein basketballverrücktes Heimatland manchmal vermisst, hat er in der Schweiz ein neues Zuhause gefunden. Im Cup-Duell gegen Monthey (heute, 19.30 Uhr, Maihof) will der Litauer heute mit Swiss Central für eine Überraschung sorgen.

 

 

 

Die meisten Schweizer wissen nur wenig über Litauen. «Unbekannt ist hierzulande zum Beispiel, dass wir allesamt basketballverrückt sind», sagt Martynas Kairavicius und lacht. «Basketball ist in Litauen nicht nur Nationalsport, sondern fast eine zweite Religion», so der Flügelspieler von Swiss Central Basketball. Die Begeisterung für die Sportart kommt nicht von ungefähr: Das kleine Land hat in der Vergangenheit zahlreiche Medaillen an internationalen Wettbewerben geholt. Zudem stehen aktuell gleich zwölf Spieler aus dem ­baltischen Staat im Kader eines NBA-Teams.

Kairavicius, in der litauischen Hauptstadt Vilnius aufgewachsen, spielte zu Beginn seiner Karriere in der dritthöchsten Liga des Landes. Später schaffte er gar den Sprung in die höchste Liga. Weil er dort jedoch fast nur auf der Bank sass, entschied sich der junge Spieler, ein neues Abenteuer in Angriff zu nehmen. «Mein Plan war es, ins Ausland zu gehen und dort nicht nur Basketball zu spielen, sondern auch einen Job zu finden.» Um dieses Ziel zu erreichen, begann er, zahlreiche Klubs in ganz Europa anzuschreiben. «Ich sass nächtelang vor dem Computer», erinnert sich Kairavicius. Schliesslich war es der 1.-Liga-Verein BC Küsnacht-Erlenbach, der dem Litauer ein Angebot machte. Seither sind sechs Jahre vergangen. In dieser Zeit spielte Kairavicius nicht nur NLB-Basketball bei Küsnacht und später bei den Grasshoppers Zürich – er entwickelte sich auch beruflich und privat weiter. Dank seinem abgeschlossenen Studium (Business Management) sowie ausgeprägten Russisch- und Englischkenntnissen fand er schon bald einen Job in einer Zürcher Privatbank. «Es hätte nicht besser laufen können», sagt er heute. Auch privat: Mittlerweile hat der Litauer seine langjährige Freundin geheiratet und mit ihr einen kleinen Sohn bekommen. Drei Spielzeugkörbe in der heimischen Wohnung sorgen dafür, dass der Zweijährige sportlich dereinst den richtigen Weg geht.

Trotz des intensiven Familien- und Arbeitsalltags hat Kairavicius seinen sportlichen Ehrgeiz nicht verloren. Dieses Jahr hat er den Sprung von der NLB in die NLA gewagt. «Als im letzten Sommer die Anfrage von SCB kam, wollte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.»

 

Statistiken sprechen für den Litauer

Bereut habe er den Entscheid bislang nicht. Auch nicht zu Beginn der Saison, als er weder seine eigenen noch die Erwartungen des Coaches erfüllten konnte. «Zwischen der NLB und der NLA liegen Welten. Ich brauchte eine Weile, um mich an das höhere Tempo zu gewöhnen.» Mittlerweile sei er aber in der NLA angekommen. Dafür sprechen auch seine Statistiken, die sich positiv entwickelt haben. Auch sonst fühle er sich wohl. «Wir sind fast in jedem Spiel in der Aussenseiterrolle – und trotzdem zeigen wir immer wieder, dass wir auch gegen Top-Teams bestehen und sogar gewinnen können.»

 

SCB will Coup wiederholen

Das Erreichen des Halbfinals hat sich Martynas Kairavicius für das heutige Cupspiel gegen Monthey zum Ziel gesetzt. «Beim 81:80-Heimsieg haben wir bewiesen, dass wir selbst den Schweizer Meister schlagen können.» Mit der Aussicht auf den Cup-Halbfinal wird SCB alles dafür tun, um einen solchen Coup zu wiederholen. Unmöglich scheint dieses Unterfangen nicht. Wie man als Underdog grosse Teams besiegt, haben die Landsleute von Kairavicius schliesslich schon mehr als genug bewiesen.

Schweizer Cup, Viertelfinals: Union Neuchâtel - Lions de Genève 66:86. SAM Massagno - Lugano Tigers 84:92. Boncourt - Fribourg Olympic 58:81.

Mittwoch, 27. Dezember 2017, 19.30 Uhr (Maihofhalle): Swiss Central Basket – Monthey.

 

Beitrag: Daniel Schriber (Luzerner Zeitung, 27.12.17)

 

 

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